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Eine Gruppe von 15 Frauen protestiert mit erhobenen Fäusten und zwei Bannern mit der Aufschrift MLT
Frauen der Bewegung MLT fordern die Nutzung des Landes durch Kleinbauernfamilien ein (© Jheyds Lemos Farias)
Gruppenfoto von Einwohnern in Baixa Verde beim Besuch von Rettet den Regenwald
Gruppenfoto mit Kleinbauern von MLT bei unserem Besuch im Herbst 2025 (© RdR/ Klaus Schenck)
Etwa 15 Personen sind dabei, Baumsetzlinge auf einer grossen freien Fläche auszupflanzen
Die Kleinbauernfamilien von MLT pflanzen Baumsetzlinge aus, um die von den Eukalyptus-Plantagen degradierten Landflächen wieder zu renaturieren (© Jheyds Kann/Movimento pela Luta da Terra MLT)
Eine Frau hält einen Palmensetzling in der Hand, im Hintergrund sind etwa 15 Menschen dabei, auf einer freien Fläche Baumsetzlinge auszupflanzen
Die Kleinbauernfamilien von MLT pflanzen Baumsetzlinge aus, um die von den Eukalyptus-Plantagen degradierten Landflächen wieder zu renaturieren (© Jheyds Kann/Movimento pela Luta da Terra MLT)
Vier Personen betrachten ein Gewässer vom Ufer aus
Nach der Renaturierung durch die Kleinbauern erholten sich die Gewässer langsam wieder, wurde uns bei dem Besuch erklärt (© RdR/ Klaus Schenck)
Ein geschlossenes Holztor vor einer Weidefläche mit einer Eukalyptusplantage im Hintergrund
Industrielle Eukalyptus-Monokulturen der Papierkonzerne bedecken viele Millionen Hektar Land in Brasilen (© RdR/ Klaus Schenck)

Brasilien: Wir wollen fruchtbares Land statt Holzplantagen!

In Brasilien hat sich der Papierkonzern Veracel öffentliches Land angeeignet und darauf Eukalyptus-Monokulturen angelegt. Die Regenwälder, Landwirtschaft und Menschen mussten dafür weichen. Seit Jahren warten Kleinbauern der Bewegung MLT darauf, dass die Behörden ihnen die Nutzung der zugesprochenen Fläche ermöglichen.

News und Updates
Unsere Forderung

An: Gouverneur des Bundesstaates Bahia, Jerônimo Rodrigues; Staatssekretär für ländliche Entwicklung des Bundesstaates Bahia, Herr Osni Cardoso de Araújo

„Die Behörden müssen unbefugte Personen von dem MLT zugesprochenen Land räumen und Trinkwasser, Strom und Wohnraum stellen“

Ganzes Anschreiben lesen

Unser Verbrauch an Drucker- und Hygienepapieren hat verheerende Auswirkungen in den Tropenländern. Allein aus Brasilien importieren die EU-Länder pro Jahr über 10 Millionen Tonnen Zellulose, davon Deutschland fast eine Million Tonnen. Um diese Menge zu produzieren, sind etwa eine Million Hektar Eukalyptus-Plantagen erforderlich.

Für die lebensfeindlichen Holz-Monokulturen der Papierindustrie müssen die Regenwälder, Landwirtschaft und Menschen weichen. Es sind ökologische Wüsten, auf denen andere Pflanzen und Tiere keinen Lebensraum finden. Mit Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden wird alles vernichtet.

Oft eignen sich die Firmen das Land von Indigenen, Kleinbauern oder staatliche Flächen an. Im Herbst 2025 haben wir die Kleinbauern der Siedlung Baixa Verde im brasilianischen Bundesstaat Bahia besucht. 2008 haben dort Dutzende Familien der Bewegung MLT 1.300 Hektar öffentliches Land besetzt, das der Zellstoffkonzern Veracel mit Eukalyptus-Plantagen in Beschlag genommen hatte.

Veracel, ein Joint Venture der finnisch-schwedischen Stora-Enso und der brasilianischen Suzano-Gruppe, hat die Bewohner der Siedlung zunächst gewaltsam räumen lassen. Dann haben Gerichte und Behörden den Kleinbauern die Nutzung des Landes zugesprochen.

Die Familien sind zurückgekehrt und haben begonnen, dort Lebensmittel wie Maniok, Bananen und Süßkartoffeln anzubauen. Auf sensiblen Flächen – wie entlang von Flussläufen – pflanzen sie wieder Bäume und Regenwald an.

Doch noch immer  warten die Familien darauf, dass die Behörden unrechtmäßige Eindringlinge von dem Land entfernen, um ihnen die Nutzung des gesamten zugesprochenen Landes zu ermöglichen, und die Versorgung mit Trinkwasser, Strom und Wohnraum sicherstellen. 

Sie haben uns gebeten, sie mit dieser Petition an die Behörden zu unterstützen:

Start der Petition: 12.03.2026

Hinter­gründe

Chronologie des Landkonflikts um Baixa Verde nach Darstellung von MLT

  • 1997 soll Veracel das Land durch einen Tausch mit einem anderen Grundstück im Bezirk Eunápolis erworben und mit Eukalyptus-Plantagen bepflanzt haben.
  • 2008 stellten Aktivisten von MLT anhand von Grundbuch-Dokumenten fest, dass es sich bei dem riesigen Grundstück eigentlich um öffentliches Land handelte, weshalb sie Teile des Landes besetzten und begannen, dort Lebensmittel anzubauen.
  • 2009 wurden die Kleinbauern durch einen von Veracel erwirkten gerichtlichen Räumungsbefehl entfernt und lebten monatelang in einem improvisierten Camp am Rande einer Landstraße in der Nähe.
  • Ende  2009 wurde 1.300 Hektar Fläche von einer staatlichen Kommission als öffentliches Brachland eingestuft, worauf die Kleinbauern von MLT erneut das Land besetzten.
  • In den folgenden zwölf Jahren ging der Konflikt weiter und wurde verschärft, als eine andere Personengruppe Teile des Landes besetzte, wodurch die Kleinbauern von MLT zunehmender Gewalt,  Sachbeschädigungen und Brandstiftungen ausgesetzt wurden.
  • 2021 teilte die Landesregierung das Land unter den beiden Gruppen auf, wodurch  61 Familien von MLT Nutzungsrechte für Grundstücke zugeteilt bekamen.
  • 15 MLT zugeteilte Flächen konnten allerdings nicht übergeben werden, da sie weiterhin von anderen Personen besetzt waren.
  • 2023 entscheidet ein Gericht zugunsten der Mitglieder von MLT und wies die Landesregierung an, die Räumung der 15 unrechtmäßig besetzen Flächen durchzusetzen.
  • Oktober 2025: Besuch von drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Rettet den Regenwald e.V. in Baixa Verde. Siehe dazu unserer Bericht.
  • Stand im März 2026: Bisher haben die Behörden die Grundstücke nicht frei gemacht und der Landkonflikt schwelt weiter. Auch andere vereinbarte Leistungen wie die Versorgung mit Trinkwasser und elektrischem Strom und die Unterstützung beim Bau von Wohnraum wurden nicht erfüllt.

Landkonflikte in Brasilien

In Brasilien ist der Besitz von Land extrem ungleich verteilt und Landspekulanten, Großgrundbesitzer und Firmen eignen sich gewaltsam große Landflächen von indigenen Völkern und traditionellen Gemeinschaften an. Die Folge sind Tausende Landkonflikte mit Hunderten verletzten und Dutzenden ermordeten Menschen pro Jahr. Die Pastorale Landkommission CPT dokumentiert das alljährlich mit dem Bericht „Landkonflikte in Brasilien“ (hier die Ausgabe für 2024) und der indigene Missionsrat CIMI mit dem Report „Gewalt gegen indigene Völker in Brasilien“ (hier zur Ausgabe von 2024).

Auch in Baixa Verde werden die Kleinbauern von MLT bedroht. Sechs von ihnen erhielten Obhut im Rahmen des brasilianischen Schutzprogramms für Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Umweltschützer. 

Landraub und Zerstörung für unseren Papierkonsum

Die Aktivitäten von Veracel in Brasilien sind eng mit unserem Papier-Konsum in Europa verknüpft. Aus dem Holz der Bäume produziert Veracel jährlich 1,1 Millionen Tonnen Zellstoff, der überwiegend in den Export geht. Eukalyptus-Fasern werden hauptsächlich für die Herstellung von Druck- und Schreibpapieren sowie für Hygieneprodukte wie Toilettenpapier, Taschentücher und Windeln genutzt. Unser Verbrauch der Produkte hat verheerende Auswirkungen in den Tropenländern.

Aufgrund der wirtschaftlichen Interessen Europas hat die öffentliche Europäische Investitionsbank (EIB) Veracel mit zwei Darlehen finanziert: Mit 30 Mio. US-Dollar förderte die EIB im Jahr 2001 die Anlage von insgesamt 26.200 ha Eukalyptus-Plantagen und mit 80 Mio. US-Dollar im Jahr 2003 den Bau der Zellstofffabrik von Veracel in Bahia. Ökologische, soziale und rechtliche Kriterien haben bei der Finanzentscheidung der Bank offensichtlich keine ausreichende Rolle gespielt.

ARD-Reportage „Verschollen - Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz“

Welche Auswirkungen Eukalyptus-Plantagen auf die Umwelt und Menschen vor Ort haben, können Sie in der ARD-Reportage „Verschollen - Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz“ vom November 2025 sehen.

Die 30-minütige Dokumentation deckt internationales Greenwashing mit Klimazertifikaten auf: Mit Steuermilliarden sollen in Brasilien Wälder "aufgeforstet" werden, die CO2 binden sollen. So soll der CO2-Ausstoß kompensiert werden. Doch die Recherchen zeigen: Die Natur wird nicht aufgeforstet, sondern zerstört für riesige Eukalyptus-Plantagen. Für die Monokulturen werden Gemeinden vertrieben und Menschenrechte verletzt. Trotzdem bescheinigen Klimazertifikate den Firmen Nachhaltigkeit und die Einhaltung aller Bestimmungen. Die Doku zeigt die Realität hinter der Fiktion und könnte ein milliardenschweres Klimaschutzprogramm infrage stellen.

Die Reportage diente auch als Informationsquelle für den ARD-Spielfim „Verschollen“ mit Axel Milberg. Hier können Sie den Film in der ARD-Mediathek sehen: https://www.ardmediathek.de/sendung/verschollen/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9zZGIvc3RJZC8xODEx

Weitere Informationen:

An­schreiben

An: Gouverneur des Bundesstaates Bahia, Jerônimo Rodrigues; Staatssekretär für ländliche Entwicklung des Bundesstaates Bahia, Herr Osni Cardoso de Araújo

Sehr geehrter Herr Jerônimo Rodrigues, Gouverneur des Bundesstaates Bahia,

sehr geehrter Herr Osni Cardoso de Araújo, Staatssekretär für ländliche Entwicklung des Bundesstaates Bahia,

die Siedlung Baixa Verde liegt in einem Gebiet, das 2008 von der Landrechtsbewegung Movimento de Luta pela Terra (MLT) besetzt wurde. Sie befindet sich im äußersten Süden Bahias in einer Region, die historisch von vielen Landkonflikten und der Ausbreitung der Eukalyptus-Monokulturen der internationalen Zellstoffindustrie geprägt ist.

Dieses Entwicklungsmodell, das den Ländern des globalen Nordens zugute kommt, hat tiefgreifende ökologische und soziale Auswirkungen auf die traditionellen Völker und Gemeinschaften des Bundesstaates: Dazu gehören Wassermangel, Verarmung der Böden, Verlust der biologischen Vielfalt, Vertreibung traditioneller Gemeinschaften und Verschärfung der Ungleichheit auf dem Land.

Die Siedlung von MLT wurde 2010 von einer Gruppe überfallen, die verschiedene Gewalttaten gegen die Bewohner verübte und Teile des Landes besetzte. Die Mitglieder von MLT wehrten sich dagegen und fuhren fort, Lebensmittel zu produzieren und die Umwelt wiederherzustellen.

Im Jahr 2023, nachdem der Bundesstaat Bahia den Fall vor die brasilianischen Gerichte gebracht hatte, entschied die Justiz, die unrechtmäßigen Besetzer zu entfernen und die Landbesetzung zugunsten der MLT abzuschließen, damit deren Mitglieder endlich Zugang zu ihren Flächen erhalten.

Die Regierung des Bundesstaates Bahia hat die gerichtliche Entscheidung jedoch noch nicht umgesetzt. Noch immer können die Bewohner der Siedlung von MLT nicht in allen Teilen des ihnen zugesprochenen Landes arbeiten. Der Bundesstaat Bahia hat die Menschen völlig im Stich gelassen.

Angesichts dieser Situation fordern wir die Regierung des Bundesstaates Bahia auf:

  1. Die gerichtliche Entscheidung von 2023 umzusetzen und die zu MLT gehörenden Gebiete in der Siedlung Baixa Verde in Absprache mit ihren Mitgliedern unverzüglich und endgültig freizugeben.

  2. Die vom Bundesstaat Bahia versprochenen Infrastrukturmaßnahmen dringend umzusetzen. Dazu gehören vorrangig die regelmäßige Versorgung mit Trink- und Bewässerungswasser, Strom, der Bau von Wohnhäusern, die Verbesserung der Zugangswege, Gemeinschaftseinrichtungen und andere wesentliche Dienstleistungen.

  3. Die Formalisierung, Institutionalisierung und Umsetzung spezifischer öffentlicher Maßnahmen für die Siedlung Baixa Verde MLT zu veranlassen – einschließlich der Unterstützung der agroökologischen Produktion, kontinuierlicher technischer Hilfe, ländlicher Kredite, ländlicher Bildung, Gesundheit, Umweltschutz, Jugendpolitik und Stärkung der bäuerlichen Wirtschaft.

Mit freundlichen Grüßen

  1. Europäische Investitionsbank (EIB), Zugriff am 3.12.2025. Projekt Veracel-Zellstofffabrik, Brasilien: https://www.eib.org/de/press/topical-briefs/all/veracel-pulp-mill-project-brazil 

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:


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