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Pongo Tapanuliensis
Zum Aussterben veruteilt (© Maxime Aliaga)
Stein mit Aufschrift Tapteng menangis
Tapanuli weint (© Decky Chandrawan)
Leiche eines Orang-Utans mit Mann von der Katastrophenhilfe
Ohne Worte (© Decky Chandrawan)

Tapanuli-Orang-Utans verlieren gegen Konzerne und Banken

10.08.2026Indonesien: Im Wald der Tapanuli-Orang-Utans auf Sumatra wird auch nach dem Zyklon weiter am Wasserkraftwerk gebaut und Gold geschürft. "Grüne Energie" und kritische Mineralien scheinen den Investoren und den Regierungen Chinas und Indonesiens wichtiger zu sein als Ökosysteme und gefährdete Arten.


Tapanuli-Orang-Utans nach dem Zyklon

Der Zyklon Senyar hatte verheerende ökologische Auswirkungen auf den Batang-Toru-Wald. Die Kombination aus sintflutartigen Regenfällen und Entwaldung in diesem hochsensiblen Ökosystem führte zu einer Katastrophe historischen Ausmaßes.

Die Wassermassen lösten über 50.000 Erdrutsche aus. Die Schlamm- und Gerölllawinen bewegten sich mit hoher Geschwindigkeit die steilen Hänge hinab und hinterließen kilometerweit kahlen Boden.

Satellitenanalysen zeigten, dass allein im westlichen Block des Batang-Toru-Waldes rund 8.300 Hektar intakter Regenwald komplett zerstört wurden. Dieser Verlust innerhalb von nur sechs Tagen übersteigt die gesamte Entwaldung zwischen den Jahren 2000 und 2023 durch industrielle Großprojekte, illegalen Holzeinschlag und Landwirtschaft.

Teile des Kronendachs wurden dauerhaft zerstört. Die Zerstückelung des Waldes erschwert den Tapanuli-Orang-Utans die Nahrungssuche und drängt sie an den Rand der Ausrottung. Diese seltenste Menschenaffenart lebt nur im Batang-Toru-Wald. Wissenschaftler schätzen, dass 58 Tiere ums Leben kamen. Das entspricht 7 Prozent der gesamten Population. 

„Ein Verlust in dieser Größenordnung ist für eine Art mit einer so geringen Gesamtpopulation erheblich“, urteilt der Primatologe Erik Meijaard.

Sanktionen nur auf dem Papier!

Im Januar 2026 entzog die indonesische Regierung Unternehmen, die für einen Großteil der Abholzung verantwortlich sind, die Genehmigungen. Darunter sind das Batang-Toru-Wasserkraftwerk, die Martabe-Goldmine südlich des Waldes und der Zellstoffproduzent Toba Pulp Lestari mit seinen ausgedehnten Eukalyptusplantagen. 

Es kam zu wirtschaftlichen Einbußen, doch die Schäden nach dem Zyklon - die zerstörte Infrastruktur, Ernteausfälle und blockierte Lieferketten – sind mit mehr als 100 Millionen Euro deutlich höher. Wir vermuteten von Anfang an, dass dieser Schritt nicht dauerhaft sein wird, zu eng sind die Verflechtungen von Politik und Oligarchie.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ohne öffentlichen Druck der Entzug der Genehmigungen nur symbolische Politik bleibt“, warnte Rianda Purba, Direktor unserer Partnerorganisation WALHI Sumatra Utara. 

In der Tat, Mitte Mai 2026 durfte PT Agincourt Resources den Betrieb der Martabe-Mine wieder aufnehmen. Die Regierung plant offensichtlich, die Goldmine langfristig an das neue staatliche Energie- und Rohstoffunternehmen Perminas zu übertragen.

Die Zukunft des Zellstoffsunternehmens Toba Pulp Lestari ist noch offen. Seit Anfang des Jahres 2026 prozessiert das Umweltministerium Indonesiens gegen die Firma.  Der Umweltverband WALHI ist als Drittkläger in das Verfahren eingestiegen. 

Schon im März ist der Weiterbau des Batang-Toru-Wasserkraftwerks wieder freigegeben worden, wenn auch verbunden mit strengeren Auflagen. Der Betreiber PT North Sumatra Hydro Energy (NSHE) ist gesetzlich verpflichtet, künstliche und natürliche Baumkronen-Brücken über Straßen und Schneisen hinweg zu errichten.

Biologen kritisieren diese Korridore mit dem Argument, Orang-Utans seien scheue Gewohnheitstiere. Es dauere oft Jahre, bis sie solche künstlichen Strukturen annehmen. Während der Bauphase bis Oktober 2026 werde der Baulärm die Tiere verschrecken. Das Kernproblem aber sei die Zerstückelung (Fragmentierung) des Waldes durch Straßen und Stromtrassen. 

Der Bau wird nun sogar unter Hochdruck beschleunigt, mit dem Ziel, das Kraftwerk im Oktober 2026 ans Netz zu bringen. Vorausgegangen war eine gerichtliche Einigung: NSHE willigte ein, eine Strafe in Höhe von rund 12,7 Millionen US-Dollar an den Staat zu entrichten, um für die hydrologischen Schäden aufzukommen. Im Verhältnis zu den drohenden ökologischen Schäden ist diese Summe lächerlich.

China besiegelt das Schicksal der Tapanuli-Orang-Utans 

Das Batang-Toru-Wasserkraftwerk gilt als Paradebeispiel für Chinas Neue Seidenstraße (Belt and Road Initiative). Trotz der Katastrophe hält China an dem Projekt fest und sichert sich enormen Einfluss auf die zukünftige Energieinfrastruktur Sumatras.

Das Projekt wird maßgeblich von der China State Construction Engineering Corporation (CSCEC) und der Sinohydro betrieben. Nach massiven Protesten und starken Petitionen hatte sich die Bank of China 2019 aus der Finanzierung  zurückgezogen. Das hat den Bau aber nur verzögert.

Es folgte eine Umstrukturierung des Kapitals. Inzwischen ist aus dem privatwirtschaftlich finanzierten Projekt ein staatlich gefördertes Prestigeprojekt geworden, von einem chinesischen staatlichen Großunternehmen getragen und über Holdinggesellschaften in Singapur abgewickelt.

Auch die Investmentfonds BlackRock, The Vanguard Group, State Street und Citigroup sind über ihre Beteiligungen an den chinesischen Staatskonzernen und den Muttergesellschaften des Wasserkraftwerk-Projekts involviert. Sie betonen zwar ihre Nachhaltigkeitsziele (ESG-Kriterien), doch in den Nachhaltigkeitsberichten taucht höchstens auf, dass in „grüne“ Wasserkraft investiert wird.



 



 



 

  1. siehe https://phys.org/news/2026-06-climate-fueled-storm-decimated-world.html und https://phys.org/news/2026-08-multiple-threats-endanger-world-rarest.html

  2. PT Agincourt Resources betreibt die Martabe-Goldmine südlich des Batang-Toru-Waldes. Die Konzession von 130.252 Hektar Größe überlappt mit dem Batang-Toru-Ökosystem und mit geschütztem Wald in Nord-Tapanuli. 

    PT Toba Pulp Lestari produziert seit 40 Jahren Zellstoff und Viskose am Toba-See. Landraub, Abholzung und Gewalt kennzeichnen die Firma, die zum Papiergiganten APRIL gehört.

    PT North Sumatera Hydro Energy (NSHE) baut das Batang-Toru-Wasserkraftwerk. Entlang des Flusses sind etwa 350 Hektar Regenwald für Staudamm und Wasserkraftwerk zerstört worden.

  3. PT Perusahaan Mineral Nasional, ein erst 2025 gegründetes staatliches Bergbauunternehmen. Der Schwerpunkt liegt auf dem strategischen Management und der Weiterverarbeitung kritischer Mineralien.

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