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Luftaufnahme eines abgeholzten Gebietes in der Provinz Chaco, Argentinien
Großflächige Abholzung führt zur Verarmung der Böden und auch zur Wüstenbildung (© Asociación Argentina de Abogados Ambientalistas)
Pestizideinsatz mit Flugzeug
Monokulturen erfordern das Versprühen giftiger Pestizide (© Edmarjr/BY-SA 4.0)
Ein Demonstrant in Iquitos, Peru, zeigt ein Herzplakat "Ich liebe den Wald" auf Demo gegen Abholzung für Kakaoplantagen
"Ich liebe den Wald" - Auf einer Demostration gegen Abholzung für Kakaoplantagen in Peru (© Cesar Von Bancels)

COP17 zur Wüstenbildung: Ohne Wälder gibt es keine Zukunft für die Erde

14.09.2026Entwaldung, Monokulturen, Brände und Bergbau führen zur Verarmung der Böden und verschärfen Dürren und die Ernährungsunsicherheit. Während im August 2026 in der Mongolei die COP17 zur Wüstenbildung stattfand, zeigen die Projekte von Rettet den Regenwald einen konkreten Weg auf: Unterstützung lokaler Gemeinschaften, der Agrarökologie und von Kulturen, die die Natur schützen.


„Land wiederherstellen. Hoffnung zurückgeben“ 

Vom 17. bis 28. August 2026 kamen Vertreter von Regierungen, von zivilgesellschaftlichen Organisationen und indigenen Gemeinschaften, von pastoralen Viehhaltern und Kleinbauern, sowie Wissenschaftler in Ulan-Bator in der Mongolei zur 17. Vertragsstaatenkonferenz (COP17) des UN-Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD -  United Nations Convention to Combat Desertification) zusammen. Das Thema „Land wiederherstellen. Hoffnung zurückgeben“ (Restoring Land. Restoring Hope) erinnert daran, dass der Boden keine leblose Ressource ist: Wasser, Nahrung, Artenvielfalt, Lebensgrundlagen und soziale Stabilität hängen von seiner Gesundheit ab.

Laut UNCCD sind bereits bis zu 40 % der Landfläche der Erde von Bodendegradation betroffen. Die COP17 wollte sich mit den Themen Wüstenbildung, Landdegradation und Dürre auseinandersetzen – Phänomene, die sich gegenseitig verstärken und durch die Klimakrise noch verschärft werden. Für Lateinamerika steht besonders viel auf dem Spiel: Vom zentralamerikanischen Trockenkorridor (Corredor Seco) bis zum Cerrado, vom Amazonasgebiet bis zum Gran Chaco leiden Millionen von Menschen unter Wasserknappheit, Ernteausfällen und sind mancherorts sogar gezwungen, ihr Land zu verlassen.

Insbesondere Entwaldung, Monokulturen, Brände und Bergbau führen zu einer Verarmung der Böden und verschärfen Dürre und Ernährungsunsicherheit

Die Wüstenbildung schreitet nicht alleine voran

Unter Wüstenbildung versteht man nicht einfach das Entstehen von Sand- und Steinwüsten, dort, wo zuvor Vegetation vorhanden war. Es handelt sich vielmehr um die fortschreitende Verarmung des Bodens in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten: Der Boden verliert organische Substanz, Fruchtbarkeit und seine Fähigkeit, Wasser zu speichern. Die Vegetation geht zurück, und die Ökosysteme verlieren ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren und extremen Wetterereignissen.

Wie bei Mongabay Latam betont wird, geht in Lateinamerika die Umwandlung von Landflächen für Monokulturen und extensive Viehzucht mit steigenden Temperaturen, klimatischen Schwankungen und Phänomenen wie El Niño einher. Ein bereits geschädigtes Ökosystem ist kaum widerstandsfähig gegenüber dem Mangel an Regen. Dürre wiederum macht es anfälliger für Brände und weitere Degradation. Es ist ein Teufelskreis, in dem die Verantwortung des Menschen nicht hinter dem Wort „Klima“ versteckt werden kann.

Durch die Entwaldung wird die Vegetationsdecke zerstört, die den Boden vor Sonne, Wind und Starkregen schützt. Ohne Bäume und Wurzeln fließt das Wasser schneller an der Oberfläche ab, spült die fruchtbare Bodenschicht weg und speist das Grundwasser weniger. Der Verlust des Waldbestands unterbricht zudem den Nährstoffkreislauf und verringert die Feuchtigkeit, die die Ökosysteme an die Atmosphäre abgeben.

Extensive industrielle Plantagen für Soja, Ölpalmen und andere Rohstoffe ersetzen komplexe Ökosysteme durch eintönige Landschaften. Der intensive Einsatz von Maschinen und Pestiziden, der Rückgang der biologischen Vielfalt und der wiederholte Anbau derselben Kulturen können den Boden auslaugen und verdichten. Auch die extensive Viehzucht beschleunigt Erosion und Vegetationsverlust, wenn sie auf Kosten von Wäldern, Savannen und natürlichen Weideflächen voranschreitet oder die Regenerationsfähigkeit eines Gebiets erschöpft.

Brände werden oft genutzt, um schnell neue Flächen für die Landwirtschaft oder zur Landnahme freizumachen. Bei Hitze und Trockenheit kann das Feuer außer Kontrolle geraten und in Wälder vordringen, die nicht an Brände angepasst sind. Nach dem Feuer hat der Boden keinen natürlichen Schutz mehr, verliert Organismen und organisches Material und speichert weniger Wasser: So entstehen die Voraussetzungen für neue, noch zerstörerische Brände.

Auch der Bergbau trägt zur Umweltzerstörung bei. Durch die Abbaumaßnahmen werden Vegetation und Bodenschichten entfernt und Wasserläufe umgeleitet oder trockengelegt. Böden und Flüsse können durch Giftstoffe verseucht werden. Straßen, Infrastruktur und Siedlungen, die im Zusammenhang mit dem Bergbau entstehen, sind Ursache weiterer Entwaldung. Für die ländliche und indigene Bevölkerung hat dies nicht nur ökologische Folgen: Es bedeutet den Verlust von sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, heiligen Stätten, Autonomie und kultureller Kontinuität.

Das Land und seine Hüter schützen

Die COP17 widmete Weidelandschaften und Savannen besondere Aufmerksamkeit – Ökosysteme, die allzu oft als „leere Flächen“ betrachtet und daher für eine anderweitige Nutzung ausgewiesen werden. Tatsächlich schützen sie den Boden, speichern Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt, beherbergen eine außergewöhnliche Vielfalt an Arten und stellen die Lebensgrundlage für eine Vielzahl an Kulturen dar. Ihren Wert anzuerkennen bedeutet auch, die Rechte und das Wissen derjenigen anzuerkennen, die dort leben und diese Gebiete nutzen, ohne sie zu zerstören.

Lokale Gemeinschaften und indigene Völker dürfen nicht nur zu internationalen Gipfeltreffen eingeladen werden, um über die erlittenen Schäden zu berichten. Sie müssen bei der Entscheidungsfindung mitwirken und ihre Gebiete vor Gericht verteidigen können. Zudem müssen sie direkte Mittel für die Lösungen erhalten, die sie bereits umsetzen. Traditionelles Wissen, Agrarökologie, die Erhaltung einheimischer Saatgutsorten, Agroforstwirtschaft, Regenwassersammlung und gemeinschaftliches Feuermanagement gehören nicht der Vergangenheit an: Sie sind unverzichtbare Instrumente, um in der Gegenwart Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Unser Engagement in Lateinamerika

Diese Perspektive ist Leitgedanke des Engagements von Rettet den Regenwald und seiner Partnerorganisationen in Lateinamerika. In Brasilien bringt Teia dos Povos da Bahia afro-stämmige und indigene Bevölkerungsgruppen sowie traditionelle Gemeinschaften zusammen, um einheimisches Saatgut auszutauschen, die Ernährungssouveränität zu stärken und degradierte Gebiete durch agroforstwirtschaftliche Praktiken wiederherzustellen. Aus den Gemeinschaftstreffen sind Bio-Gärten, Saatgutbanken, Baumschulen und gemeinsame Initiativen zur Wiederbewaldung entstanden.

Im Maranhão stärkt die Unterstützung eines Netzwerks traditioneller Völker und Gemeinschaften den Schutz der Gebiete, die durch das Vordringen von Soja-Monokulturen, Viehzucht, Bergbau und die Verschmutzung durch Agrargifte bedroht sind. Der Schutz ihres Landes gewährleistet den Fortbestand der Gemeinschaften wie auch Ernährungsautonomie und das Recht, weiterhin nach den Traditionen zu leben, dank derer seit Generationen Wälder und Gewässer bewahrt werden.

In Mexiko und Mittelamerika unterstützen Partnerorganisationen Gemeinden, die sich gegen Landenteignungen und die Ausweitung von Ölpalmenplantagen wehren. Im brasilianischen Amazonasgebiet verteidigt das Volk der Ka’apor eines der letzten großen Waldgebiete der Region gegen Eindringlinge und illegale Abholzung. In Ecuador verbindet der Kampf um den Yasuní den Schutz des Waldes und der indigenen Völker mit der Forderung, das Öl im Boden zu lassen.

Das Engagement von Rettet den Regenwald in Lateinamerika zeigt, dass der Kampf gegen die Wüstenbildung sich nicht darauf beschränken darf, Bäume zu pflanzen oder große Projekte zu finanzieren, die fernab der betroffenen Gebiete erdacht werden. Die Wiederherstellung des Bodens bedeutet, die Ursachen seiner Zerstörung zu beseitigen, kollektive Rechte zu gewährleisten, diversifizierte lokale Wirtschaftssysteme zu fördern und landwirtschaftliche Systeme zu stärken, die die natürlichen Kreisläufe respektieren.

Von den Versprechen zur Tat?

Die Konferenz von Ulan-Bator hätte zu konkreten Verpflichtungen und einem globalen Maßnahmenkatalog führen müssen, was aber letztendlich nicht geschah. Maßnahmen hätten darauf abzielen müssen, die Entwaldung und die Umwandlung natürlicher Ökosysteme zu stoppen, Brände zu verhindern, zerstörerische Rohstoffgewinnung zu unterbinden, Wasser und Boden zu schützen, die Gemeinden direkt zu finanzieren, die wirksame Beteiligung indigener Völker zu gewährleisten und ihre Landrechte anzuerkennen.

Eine Wiederherstellung der Natur ist nicht möglich, solange sich Monokulturen, Bergwerke und Infrastrukturen, die Wälder und Gemeinschaften zerstören, weiter ausbreiten. Und es kann keine Ernährungssicherheit geben, wenn Landwirtschaft nicht mit der Artenvielfalt, dem Wasser wie auch mit der Kultur derjenigen, welche die Lebensmittel produzieren, harmonisiert.

Selbst wenn eine koordinierte internationale Planung zur Bekämpfung der Wüstenbildung sinnvoll und notwendig ist, darf keine Maßnahme von oben aufgezwungen werden. Das Recht der lokalen und indigenen Bevölkerungsgruppen, NEIN zu Megaprojekten und zu jeder Entscheidung zu sagen, welche ihre Gebiete bedroht, welche die freie, vorherige und informierte Zustimmung missachtet oder welche ihre traditionellen Rechte verletzt, muss respektiert werden“, so Elisa Norio von Rettet den Regenwald.

Weil die COP17 eher ergebnislos verlief und wichtige Entscheidungen vertagt wurden, wird Rettet den Regenwald die weitere Entwicklung in den betroffenen Gemeinden und Ökosystemen genau beobachten.

Wir glauben, dass die Erde nicht nur der Ort ist, an dem wir leben, sondern auch ein Netzwerk von Beziehungen zwischen Boden, Wasser, Wäldern, Tieren und Menschen. Sie zu verteidigen bedeutet, sich für eine Zukunft zu entscheiden, in der die Produktion nicht die Lebensgrundlagen selbst zerstört.

Die Projekte der Partner von Rettet den Regenwald zeigen, dass diese Zukunft bereits jeden Tag gepflegt, geschützt und wiederaufgebaut wird.

Unterschreiben Sie unsere Petitionen und unterstützen Sie unsere Projekte, um zur Rettung der Wälder beizutragen:

https://www.regenwald.org/petitionen/1191/der-amazonas-regenwald-darf-nicht-weiter-in-flammen-aufgehen

https://www.regenwald.org/petitionen/1308/brasilien-wildlife-works-raus-aus-dem-regenwald-der-ka-apor

https://www.regenwald.org/petitionen/1284/brasilien-die-pestizidbespruehungen-aus-der-luft-muessen-aufhoeren

https://www.regenwald.org/projekte?


Quelle: Mongabay Latam, “Cumbre mundial clave sobre desertificación: Latinoamérica llega a la COP17 entre sequías, El Niño y presión por producir alimentos”, 17 agosto 2026: https://es.mongabay.com/2026/08/cop17-desertificacion-sequia-latinoamerica-el-nino-alimentacion/

Offizielle Informationen zur COP17: https://www.unccd.int/cop17 

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