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Das Dorf Wambon im Distrikt Boven Digoel, Provinz Papua, Indonesien
Das Dorf Wambon im Bezirk Boven Digoel (© Pusaka)
rechts indigene Papua vor einer Glasscheibe, links "Papua braucht Gerechtigkeit, keine Ausbeutung"
Indigene Wambon im Verwaltungsgericht Jakarta (© Pusaka)
Karte Papua
Der Bezirk Boven Digoel in Papua (© Rettet den Regenwald e.V.)

Forstminister erkennt die indigenen Papua nicht an

21.08.2026Indonesien: Der Forstminister gibt eine halbe Million Hektar Wald in Papua für das Nationale Strategische Projekt Merauke frei. Das Ministerium erkennt die Existenz der indigenen Gemeinschaften nicht an und behandelt ihr Land und ihr Leben wie in der Kolonialzeit. Fünf indigene Papua aus Wambon gehen vor Gericht.


Unter der Regierung von Präsident Prabowo Subianto erlebt auch der Bezirk Boven Digoel eine neue Welle der Abholzung. Das Forstministerium hat für das Nationale Strategische Projekt Merauke (PSN Merauke) 486.939 Hektar Wald in den Bezirken Merauke, Mappi und Boven Digoel per Dekret in „Nicht-Waldland" umklassifiziert, damit dort Ölpalmen und Zuckerrohr für die Biodiesel- und Ethanolerzeugung angebaut werden. Insgesamt sollen sich die Plantagen auf zweieinhalb Millionen Hektar erstrecken. 

Der gesamte Plan sieht die Zerstörung von mehr als zwei Millionen Hektar Wald der indigenen Papua vor.

Die Papua wehren sich vehement gegen diese staatlich geplante unglaublich große Waldvernichtung. Auch das Volk der Wambon aus Boven Digoel.

Der Bezirk hatte vorher bereits den traditionellen Wald (Hutan Adat) der Wambon nach einem jahrelangen, mühsamen Prozess offiziell anerkannt, das Forstministerium in Jakarta jedoch immer noch nicht. Durch die Umwandlung in „Nicht-Waldland" ist nun der rechtliche Schutz ausgehebelt und der Wald zur Abholzung freigegeben – unter Missachtung des Prinzips der Freien, Vorherigen und Informierten Zustimmung (FPIC), der Rechte der Indigenen und sämtlicher Klimaabkommen und Waldschutzversprechen. 

Der Fall Wambon steht exemplarisch für das rücksichtslose  Vorgehen der Oligarchie gegen Indigene und die Natur, für die Tendenz zu Rechts- und Vertragsbrüchen und auch für ein eklatantes Versagen des Rechtssystems.

Der Rechtstreit der indigenen Wambon mit dem Forstminister

Die indigenen Gemeinschaften legten Widerspruch gegen das Dekret des Forstministeriums ein. Da das Ministerium die Einwände ignoriert, haben fünf indigene Wambon vor dem Verwaltungsgericht in Jakarta geklagt. 

Jetzt sind die Verhandlungen in die Beweisaufnahme eingetreten. Die Rechtsvertreter der Indigenen haben Beweise vorgelegt und der Forstminister hat seine Antwort auf die Klage schriftlich eingereicht.

Plädoyer von Rechtsanwalt Tigor Hutapea als Vertreter der Wambon 

Das Forstministerium erkennt die indigenen Gemeinschaften nicht an.

„Die Antwort des Forstministers impliziert, dass er die fünf Kläger nicht als Indigene und Eigentümer von indigenen Gebieten, in denen sie seit Generationen leben, anerkennt; er beantragt, die Klage abzuweisen. Wir Rechtsanwälte sind der Ansicht, dass der Forstminister einen positivistischen Denkansatz verfolgt und am Prinzip der „domein verklaring“ – einem Erbe der niederländischen Kolonialzeit – festhält, wenn er behauptet, dass traditionelle Gebiete als herrenlos gelten und somit vollständig unter staatlicher Kontrolle stehen. Dies ist die Ursache für die zahlreichen Konflikte um Land und natürliche Ressourcen.

Das Forstministerium behauptet, indigene Gebiete seien herrenlos und stünden unter uneingeschränkter Kontrolle des Staates.

Wir hinterfragen auch die Verschleppung der Anerkennung indigener Wälder. Die fünf Kläger haben die Anerkennung vom Bezirk bereits erhalten, warten aber seit 2023 auf den Bescheid des Forstministeriums. Den Status der Wälder dagegen hat der Forstminister schnell geändert, ohne Zustimmung der indigenen Gemeinschaften und ohne angemessene Begutachtung. 

Der Forstminister verletzt die Rechte der indigenen Gemeinschaften.

Die Entwaldung hat gravierende Auswirkungen auf die Ökosysteme. Hier gibt es 166.325,314 Hektar Wald von hohem Schutzwert (HCV). Der hat große biologische, ökologische, soziale und kulturelle Bedeutung sowohl auf lokaler, regionaler als auch globaler Ebene.

Weiterhin gibt es 51.333 Hektar Torfmoore  – die größten davon in Boven Digoel – sowie 61.370 Hektar Primärwald. Laut Gesetz stehen die unter Schutz und es dürfen keine Genehmigungen erteilt werden.

Diese Wälder binden 27.079.656 Tonnen Kohlenstoff, und ihre Abholzung bedeutet die Emission von 99.292.072 Tonnen Kohlendioxid. Entwaldung ist eine Verletzung der Verpflichtungen Indonesiens zum Klimaschutz. Wir fordern daher, das Dekret Nr. 591 des Forstministers von 2025 aufzuheben."


Menschen und Natur in Boven Digoel

Karte Papua
Der Bezirk Boven Digoel in Papua (© Rettet den Regenwald e.V.)

Der Bezirk in der Provinz Süd-Papua nördlich von Merauke ist 2,71 Millionen Hektar groß . Das entspricht der Fläche des Bundeslandes Brandenburg oder der Fläche aller 9.000 deutschen Naturschutzgebiete zusammen.  Davon sind zwei Millionen Hektar Wald.

Hier leben 74.000 Menschen, etwa 50.000 Indigene - die Wambon, die Muyu, die Awyu und die Korowai - und über 20.000 Zuwanderer von anderen Inseln Indonesiens. 

Die Tier- und Pflanzenwelt gehört zu den faszinierendsten, aber wissenschaftlich am wenigsten erforschten der Erde. Die Primärwälder, Moore und Gewässer weisen eine hohe Biodiversität mit einem extrem hohen Anteil an endemischen Arten auf.

Die Vegetation rumfasst Tieflandregenwäldern und Moorwälder und im Süden Mangroven und Savannen. Es dominieren gigantische Tropenbäume wie der Eisenholzbaum (Intsia, Merbau) sowie eine unüberschaubare Vielfalt an Kletterpflanzen, Farnen und Epiphyten.

Hier leben Paradiesvögel und Kasuare, Baumkängurus und Kuskus. Der Digoel-Fluss, etwa so lang wie der Main, beheimatet mindestens 30 bekannte Fischspezies sowie Süßwasser- und Salzwasserkrokodile.

Holz, Palmöl, Wilderei

Durch Einschlag der wertvollen Merbaubäume, die Rodung für Plantagen und die Wilderei gerät dieses Naturparadies in Gefahr, bevor es überhaupt vollständig dokumentiert werden kann.

Über 410.000 Hektar wurden in Konzession an Firmen vergeben, einige zehntausend Hektar sind bereits gerodet. Der Großteil ist noch Wald und wird vehement von der indigenen Bevölkerung verteidigt.

In Boven Digoel operieren einige einflussreiche Konzerne Südostasiens. Die Ausbeutung der Region erfolgt durch das Zusammenspiel etablierter multinationaler Konzerne mit Schattenfirmen und den neuen staatlichen Großprojekten.

Seit Jahrzehnten ist die südkoreanisch-indonesische Korindo-Gruppe in Boven Digoel aktiv, zuerst mit Holzeinschlag und mittlerweile mit Palmölplantagen bis hin nach Merauke. Korindo wird Brandrodung und Landraub vorgeworfen.

Vor einigen Jahren erhielt die malaysische Menara-Gruppe die Genehmigung für die größte Palmölplantage der Welt über 280.000 Hektar. Der Zuschlag gelang durch die Splittung in sieben Unternehmen und mittels intransparenter Firmenstrukturen. 

Die Papua des Awyu-Volkes wehren sich vehement dagegen, auch juristisch. Sie erreichten, dass das damalige Umwelt- und Forstministerium Rodungsverbote für zwei der Firmen verhängte und der Oberste Gerichtshof dies in wegweisenden Urteilen bestätigte. Damit wurden über 65.000 Hektar Primärwald vor den Kettensägen gerettet.

Seit 2024 wird das mehr als zwei Millionen Hektar große Nationale Strategische Projekts Merauke mit Miltärgewalt durchgesetzt. Auf unserer Webseite finden sich unter dem Suchbegriff <PSN Merauke> zahlreiche Berichte.

Im Rahmen von PSN Merauke sind mindestens zehn Unternehmen und Holding-Konsortien aktiv:

  • PT Global Papua Abadi (GPA): Zuckerrohrplantagen, Zucker- und Bioethanolfabriken 
  • PT Murni Nusantara Mandiri: Zuckerrohrplantagen
  • Jhonlin Group und Tochtergesellschaften: Rodungen und Infrastrukturprojekte
  • PT Agrinas Pangan: staatlich; Rodung und 30.000 Hektar Reisplantagen (Food Estate)
  • PT Andalan Manis Nusantara: 60.000 Hektar Zuckerrohrplantagen, Zucker- und Bioethanolfabrik, Biomasse-Kraftwerk
  • PT Semesta Gula Nusantara: 66.000 Hektar Zuckerrohrplantagen und Bioethanol
  • PT Dutamas Resources International: 60.000 Hektar Zuckerrohrplantagen, Zucker- und Bioethanolfabrik, Biomasse-Kraftwerk
  • PT Borneo Citra Persada: 50.000 Hektar für Zuckerrohr, Reis und Rinderhaltung 
  • Merauke Sugar Group (MSG): Holding der Fangiono-Familie, die die Zucker- und Bioethanolindustrie koordiniert 
  •  PT Sucofindo: Machbarkeitsstudien
  • PLN: Staatliche Elektizitätswerke

 


 



 



 


 



 

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