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Eine verbrannte Fläche im Cerrado-Wald
In Brasilien verstärken die Brände die Entwaldung und damit die Wüstenbildung (© Wesley Coala)
Collage Baumplantage vs Regenwald
Eine Plantage für Zellstoff aus Holz kann einen Wald und dessen Artenvielfalt nicht ersetzen (© Mathias Rittgerott & Friedhuber - Collage: Rettet den Regenwald)

COP17 zur Wüstenbildung: Wer die Erde bewahrt, der hat nichts zu sagen

31.08.2026Gletschereis und Baumwurzeln halten Wasser und Erde zurück. Fehlen sie, wird der Boden instabil: Am 26. August wurde Rasuwa (Nepal) von einer Gletscherflut heimgesucht. Mehr als 700 Menschen kamen ums Leben. Unterdessen fand die COP17 gegen Wüstenbildung keine Einigung zu Dürren. Indigene Gemeinschaften mit geringem Boden- und Energieverbrauch kennen zwar Lösungen, haben jedoch nichts zu sagen.


Am 26. August wurde Rasuwa in Nepal von einer Sturzflut heimgesucht: Mindestens 734 Tote und fast 2.500 Vermisste. Auslöser war laut der Universität der Vereinten Nationen (UNU) der teilweise Abbruch eines Himalaya-Gletschers, der einen Fluss aufstaute und dabei eine Lawine sowie eine Überflutung auslöste. Dies ist kein Einzelfall: Eine Studie der UNO zeigt, dass sich die Zahl der Gletscherseeausbrüche (GLOF, Glacial Lake Outburst Flood) im Hindukusch-Himalaya seit 1950 verfünffacht hat.

Unser Planet verliert an Boden und verödet

Ein Hang, der abrutscht, ein Boden, den nichts mehr hält. Es sind dieselben Geschichten, über die siebentausend Kilometer entfernt in einem Konferenzsaal in Ulan-Bator diskutiert wurde. Vom 17. bis 28. August war die mongolische Hauptstadt Gastgeber der COP17 des UN-Übereinkommens zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD -  Conference of the Parties to the United Nations Convention to Combat Desertification), dem einzigen rechtsverbindlichen Mechanismus zur Bekämpfung der Bodendegradation, an der ein Großteil der 197 Vertragsstaaten sowie über 400 Organisationen und Vertreter von lokalen Gemeinschaften teilnahmen.

Die Fakten auf dem Tisch

40 Prozent der Böden, welche die Menschheit zur Sicherung ihres Lebensunterhalts nutzt, sind bereits degradiert; fast dreieinhalb Milliarden Menschen sind davon betroffen.

Die Dürren haben seit dem Jahr 2000 um zwei Drittel zugenommen, und bis 2030 wird der Wasserbedarf die verfügbaren Ressourcen um 40 Prozent übersteigen. 85 Prozent der Betroffenen leben in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen.

Ein Großteil der Massenmigrationen hängt mit dem Mangel an Nahrungsmitteln und Einkommen zusammen, der durch die Bodendegradation verursacht wird. Im Gastgeberland Mongolei sind 77 Prozent der Landesfläche von Wüstenbildung betroffen, wobei die Durchschnittstemperatur in den letzten achtzig Jahren um 2 Grad gestiegen ist.

Eine Verhandlung, die keine war

Und hier kommt die Nachricht, die es wert ist, zweimal gelesen zu werden: Die COP17 endete am 28. August mit der Ankündigung eines Finanzpakets in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar für die Renaturierung von Flächen und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren, wovon 644,5 Millionen als neue Mittel ausgewiesen wurden. Allerdings haben die Länder keine Einigung über globale Maßnahmen gegen Dürren erzielt: Die Verhandlungen wurden auf die COP18 vertagt, die 2028 in Ägypten, in Sharm el Sheikh am Roten Meer, stattfinden wird.

Dies geschah so nicht zum ersten Mal. Die Frage der globalen Maßnahmen war bereits auf der COP16 in Riad ungelöst geblieben, wo sich die Staaten ebenfalls nicht auf verbindliche Maßnahmen einigen konnten und die Entscheidung auf Ulan-Bator vertagten.

In der Schlussphase des Gipfels waren sich die Verhandlungsführer in vier Punkten uneinig: bei globalen Maßnahmen zum Umgang mit Dürren, bei der Finanzierung der Wiederherstellung degradierter Umwelten, bei der Bewirtschaftung von Weideland sowie bei der Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften.

Afrikanische Länder, kleine Inselstaaten, Amazonas-Länder wie Brasilien und andere verletzliche Nationen forderten entschlossenere, sogar verbindliche internationale Maßnahmen. Einige Industrieländer äußerten Vorbehalte und verwiesen dabei auf finanzielle Auswirkungen und Überschneidungen mit anderen Vorgehensweisen. Eine kleine Gruppe von Vertragsparteien, allen voran die Vereinigten Staaten, erklärte, dass sie weder einen rechtsverbindlichen noch einen freiwilligen internationalen Maßnahmenkatalog zur Dürre akzeptieren werde.

Das Ergebnis: Geld auf dem Tisch, aber keine multilateralen Regeln.

„Naturpositiv“: Der Trick mit dem grünen Konzept

Einige Beschlüsse wurden dennoch gefasst: Schutz, nachhaltige Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Weideland und Wiesen, Unterstützung von pastoralen Viehhaltern und lokalen Gemeinschaften, sowie Förderung des Übergangs zu einer sogenannten „naturpositiven“ Landwirtschaft. Bei diesem Begriff lohnt es sich, einen Moment genauer hinzuschauen.

Es handelt sich um einen Begriff ohne verbindliche Definition, ohne festgelegte Schwellenwerte und ohne Überprüfungsmechanismus: Niemand muss irgendetwas nachweisen, um sich damit schmücken zu können.

Das ist genau die Art von Konzept, die wir aus dem Bereich der Forstwirtschaft nur zu gut kennen, wo Zertifizierungen wie die des Forest Stewardship Council (FSC) letztendlich dazu geführt haben, dass das akzeptabel wurde, was eigentlich gestoppt werden müsste. Eine (extensive) Landwirtschaft, die als „naturfreundlich“ gekennzeichnet ist, sich aber nicht nach messbaren Kriterien richtet, läuft Gefahr, auf dieselbe Weise zu funktionieren: nämlich nur dank eines im Voraus erteilten Nachhaltigkeitszertifikats, das Praktiken verschleiert, die sich als schädlich für die Natur erweisen können.

Auch die mongolische Präsidentschaft hat eine Rangelands Flagship Initiative im Umfang von 1,2 Milliarden Dollar für 45 Projekte ins Leben gerufen – den größten Posten des gesamten, zum Abschluss angekündigten Pakets in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich zwar um konkrete Schritte, aber es sind Maßnahmen, die für Gemeinschaften bestimmt, und nicht solche, die zusammen mit Gemeinschaften entwickelt wurden.  Die Mittel kommen von oben und werden auch weiterhin von oben verwaltet.

Was Rettet den Regenwald dazu meint

„Nepal und die Mongolei erzählen dasselbe aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: Wenn ein Gebiet seine Vegetationsdecke verliert, verliert es auch die Fähigkeit, Wasser, Sedimente und Leben zu binden. In großen Höhen übernimmt diese Aufgabe das Eis, in tieferen Lagen das Wurzelwerk der Bäume. Es ist ein einzigartiges System, das stufenweise funktioniert“, bemerkt Elisa Norio von Rettet den Regenwald.

In Rasuwa ereignete sich der Erdrutsch jenseits der Baumgrenze, also dort, wo es nie Bäume gab. Doch dann bewegte sich diese Welle kilometerweit die Hänge hinunter, bevor sie die Ortschaften erreichte, und auf diesem Weg machen die Wurzeln den Unterschied aus. Ein Hang mit Wald- und Baumbewuchs bremst das Wasser, hält den Boden zusammen und nimmt einen Teil des Gerölls auf. Ein karger Hang hält nichts mehr zurück: Er wirkt wie eine Rutsche. Die gleiche Wassermenge kann, je nachdem, worauf sie beim Herabfließen trifft, entweder nur eine Flut sein oder zur Katastrophe werden.

„Der Schutz der Wälder und der Erhalt der Artenvielfalt sind das beste Mittel, um der derzeit fortschreitenden Wüstenbildung entgegenzuwirken. Es gibt keine Technologie, die einen intakten Wald oder eine Weide ersetzen könnte, die von Menschen seit Generationen umsichtig bewirtschaftet wird“, fügt Elisa Norio hinzu.

Was fehlt, sind nicht die Lösungen, sondern das politische Gewicht derer, die solche Lösungen bereits umsetzen. Die Beiträge und die umweltfreundlichen Wirtschaftsmodelle der lokalen und indigenen Gemeinschaften müssen stärker Gehör finden und dürfen nicht auf einen Pavillon am Rande der Verhandlungen reduziert werden.

„Solange in Ulan-Bator 500 Vertreter indigener Völker zwar zu Wort kommen, aber keine Entscheidungen treffen können, während einige wenige Staaten jede gemeinsame Maßnahme blockieren, werden wir weiterhin die Toten flussabwärts zählen“, lautet das Fazit von Elisa Norio.

Es geht nicht um ein „fernes“ Klima

Bodendegradation, Wüstenbildung und Entwaldung sind ein und dasselbe Phänomen, betrachtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Wald wird abgeholzt, um Platz für Monokulturen wie Soja, Ölpalmen oder Eukalyptus, für die Holzgewinnung oder für den Kupfer- oder Nickelbergbau zu schaffen. Sind die Wurzeln verschwunden, hat der Boden keinen Halt mehr: Das Wasser fließt ab, anstatt in den Boden einzudringen, fruchtbarer Boden wird ausgewaschen, Hochwasser wird heftiger und Dürren werden intensiver. Schließlich versiegt das Land, und die Menschen ziehen weg. In den Bergen, wo Eis anstelle der Vegetation den Boden festigt, beschleunigt sich derselbe Mechanismus und wird innerhalb weniger Stunden tödlich.

Die COP17 fand im Internationalen Jahr der Weiden und Hirten statt (International Year of Rangelands and Pastoralists - IYRP). Das könnte eine Gelegenheit sein, anzuerkennen, dass diejenigen, die das Land seit Jahrhunderten bewahren, denjenigen, die es seit Jahrzehnten nur als Wirtschaftsfaktor betrachten, etwas beibringen können.

Eine Gelegenheit, die unserer Meinung nach nur sehr unzureichend genutzt wird.

Wir machen unsererseits weiter: Wir prangern diejenigen an, die Wälder abholzen, und unterstützen diejenigen, die sie verteidigen – dank unserer Projekte und der Petitionen, die wir gemeinsam mit den lokalen Gemeinschaften koordinieren.


Offizielle Quellen und weiterführende Informationen:

  1.  
  2. Es handelt sich um eine 1993 gegründete internationale Nichtregierungsorganisation, die ein freiwilliges Zertifizierungssystem für Holz und Holzprodukte betreibt: Das FSC-Label auf einem Produkt bescheinigt, dass das verarbeitete Holz aus Wäldern stammt, die gemäß den Standards des FSC bewirtschaftet werden.

  3. Initiative der mongolischen COP17-Präsidentschaft zum Weideland: 1,2 Milliarden Dollar für 45 Projekte zur nachhaltigen Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Weideland sowie zur Unterstützung der pastoralen Bevölkerung. Dies ist der wichtigste Posten des zum Abschluss angekündigten Gesamtpakets in Höhe von 1,3 Milliarden. Unter rangelands versteht man Weideland, Grasland, Savannen und Steppen: Ökosysteme, die mehr als die Hälfte der Landmasse bedecken und etwa 500 Millionen Menschen ernähren, aber dennoch zu den Gebieten gehören, welche die geringste finanzielle Unterstützung erhalten.

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