Wahlen in Brasilien: Letzte Chance für den Amazonasregenwald?
Bei den brasilianischen Parlaments- und Gouverneurswahlen legten Rechtsradikale stark zu, für die der Schutz des Amazonasregenwaldes, der indigenen Völker und Menschenrechte keine Rolle spielt. Bei einer Stichwahl am 25. Oktober wird nun entschieden, wer Präsident wird: Flávio Bolsonaro, der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, oder Amtsinhaber Lula da Silva.
"Unsere Sorge ist, dass Lula verliert. Gott bewahre! Das darf nicht passieren. Wenn die Ultrarechten an die Macht kommen, verlieren die Menschen sogar ihr Zuhause", erklärte Marli Borges Mitte September in Berlin. Als Vertreterin einer Bewegung afrobrasilianischer Gemeinschaften (Quilombolas) war sie zusammen mit weiteren sieben Umweltschützern und Menschenrechtlern aus dem Bundesstaat Maranhão nach Berlin gekommen - auf Einladung von Rettet den Regenwald.
"Wir kämpfen bald seit fast 20 Jahren für die offizielle Anerkennung und die Eigentumsurkunde unserer Territorien. Wenn die Rechten erneut gewinnen, wird der Fortschritt hier zunichte gemacht", so Marli Borges weiter. Als sogenannte Quilombola - so bezeichnen sich in Brasilien die Nachfahren ehemals versklavter Menschen aus Afrika - weiß Borges genau, wovon sie spricht.
Zwei Wochen später, bei den Wahlen Anfang Oktober in Brasilien, wurden die schlimmsten Befürchtungen wahr: Bei den Parlamentssitzen und den Gouverneursposten der Bundesstaaten legten Ultrarechte aus dem Lager von Bolsonaro und deren Alliierte stark zu. Alle Partnerorganisationen von Rettet den Regenwald in Brasilien sind über das Ergebnis schockiert und besorgt über die Zukunft.
Nun liegt die letzte Hoffnung, zumindest das Allerschlimmste abzuwehren, auf einer Stichwahl für das Präsidentenamt am 25. Oktober. Weil keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit erreichte, treten der Erstplatzierte, Flávio Bolsonaro, gegen den Zweitplatzierten, den amtierenden Präsidenten Lula da Silva, an. Flávio Bolsonaro ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, der eine 27-jährige Haftstrafe wegen eines Staatskomplotts im Hausarrest absitzt.
Schon jetzt steht fest, dass der Schutz des Amazonasregenwaldes und der anderen Biome in Brasilien, aber auch der Rechte der indigenen Völker, noch schwieriger wird. Denn für die Bolsonaro-Familie und deren Verbündete spielen der Schutz der Natur, des Weltklimas und der traditionellen Völker keine Rolle.
Wir müssen daher die Unterstützung und Zusammenarbeit mit unseren aktuell 15 Partnerorganisationen in Brasilien weiter verstärken.