Brasilien: Justizmissbrauch gegen Indigene stoppen
Im Amazonasregenwald bittet die indigene Führerin Yuna Miriam Tembé um dringende Hilfe. Weil sie sich gegen die Rodungen, den Landraub und die Gewalt von Palmölfirmen stellt, wird sie mit fingierten Anschuldigungen verfolgt. Die Behörden haben ihr elektronische Fussfesseln angelegt. Nun fürchtet sie um ihr Leben.
An: Bundesstaatsanwaltschaft; Nationale Stiftung für indigene Völker (FUNAI); Nationaler Rat für Menschenrechte; Programm zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern Kontrollorgane des Justiz- und Sicherheitswesens
„Die Gewalt gegen und die Kriminalisierung der indigenen Führerin Yuna Miriam Tembé im Amazonasregenwald von Pará muss sofort beendet werden.“Am 1. September 2026 hat ein Gericht in Pará „Vorsichtsmaßnahmen“ gegen Yuna Miriam Tembé und drei weitere Indigenenführer verhängt. Ihr wird vorgeworfen, Mitarbeiter einer Wachfirma entführt und erpresst zu haben. Doch Miriam bestreitet die Behauptungen und hat dafür glaubwürdige Zeugen.
Der wahre Grund: Die indigene Führerin steht Palmölfirmen im Wege. Diese haben sich mit den Behörden zusammengetan und versuchen, sie mit fingierten Anschuldigungen aus dem Weg zu räumen, erklärt Yuna Miriam per Video.
Schon zweimal hat Rettet den Regenwald Yuna Miriam in ihrem Territorium I'ixing besucht. Es liegt im Tal des Acará-Flusses im Bundesstaat Pará im Zentrum der brasilianischen Palmölindustrie.
Seit Jahren weiten Palmölfirmen dort ihre Plantagen aus und verursachen gewaltsame Landkonflikte. Sie erwirken über die Köpfe der Einwohner hinweg Landtitel, nehmen die Flächen in Beschlag und legen Ölpalm-Monokulturen an. Sie vernichten die Artenvielfalt und verseuchen die Umwelt mit Pestiziden und den Abwässern der Ölmühlen.
Die Indigenen und afrobrasilianischen Quilombola-Gemeinden verlieren ihr Land und ihre Lebensgrundlagen. Doch die Menschen haben sich organisiert, leisten erfolgreich Widerstand und haben Teile ihres angestammten Landes wieder in Besitz genommen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Yuna Miriam von Polizei und Justiz verfolgt wird. Im Zusammenhang mit einem Todesfall wurde sie bereits wochenlang inhaftiert, bis Menschenrechtsorganisationen ihre Freilassung und die Annullierung der Verfahren erwirkten.
„Der Staat arbeitet hier für private Unternehmen, um sie zu unterstützen – gegen uns, gegen unsere Rechte. Sie wollen uns zum Schweigen bringen, uns erneut mit Gewalt ausschalten und auslöschen, damit sie unsere Gebiete besetzen können“, erklärt Yuna Miriam.
Bitte unterstützen Sie die Petition!
Start der Petition: 02.10.2026
Hintergründe
Der am 18. September 2026 in der Zeitung „O Varadouro“ veröffentlichte Artikel mit dem Titel „Fußfesseln für indigene Menschen, die in einem Territorialstreit bedroht sind: Die Eskalation des Palmölkonflikts in Pará“ klärt über die Situation und die Umstände auf. Der Inhalt macht deutlich, dass indigene Führungspersönlichkeiten, die seit jeher Menschenrechtsverletzungen verurteilen, weiterhin einem permanenten Klima der Unsicherheit, des Drucks und der Verletzlichkeit ausgesetzt sind.
Weitere Informationen:
- Video von Yuna Miriam Tembé auf Instagram, veröffentlicht am 27.9.2026: https://www.instagram.com/reel/DdtjVE2IJvr/?stkn=MTAwZXI4NjI5MW00bQ==
- Post auf Instagram vom 27.9. 2026: https://www.instagram.com/p/DdrH9c4RTz1/?stkn=MTZuZHAzcjNveXh3Ng==
- Öffentliche Mitteilung der indigenen Organisationen I´ixing und AITVA (Übersetzung ins Deutsche)
An: Bundesstaatsanwaltschaft; Nationale Stiftung für indigene Völker (FUNAI); Nationaler Rat für Menschenrechte; Programm zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern Kontrollorgane des Justiz- und Sicherheitswesens
SOLIDARITÄTSBRIEF VON RETTET DEN REGENWALD E.V. AN DAS VOLK DER TEMBÉ UND AN DIE INDIGENE FÜHRERIN MIRIAM TEMBÉ NUNES
Rettet den Regenwald e.V. und Tausende Menschen auf der ganzen Welt verfolgen mit großer Besorgnis die Gewalt und Kriminalisierung der indigenen Führerin Yuna Miriam Tembé Nunes und die Verschärfung der Landkonflikte im Bundesstaat Pará, von denen indigene Völker, Quilombolas und Flussanrainer im Acará-Tal betroffen sind.
Ihr Schicksal als Führerin des indigenen Territoriums I'ixing ist kein Einzelfall. Die Situation spiegelt eine Realität wider, mit der unzählige traditionelle Gemeinschaften im Amazonasgebiet konfrontiert sind: Weil sie ihre Gebiete, ihre Wälder, ihre Flüsse und ihre Lebensweisen vor der Zerstörung durch die Agrar-, Bergbau- und Energieindustrie schützen, werden sie zur Zielscheibe von Drohungen, Gewalt und Kriminalisierung.
Seit Jahren beklagt Yuna Miriam Landbesetzungen, Abholzungen, Drohungen und Gewalt gegen indigene Führungspersönlichkeiten. Diese stellen sich gegen die Palmölindustrie, um den Regenwald zu schützen. Sie sichern damit die Grundlagen für das physische, kulturelle und spirituelle Überleben des Volkes der Tembé Tenetehara. Die Gewalt und Landkonflikte stehen in direktem Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen an den Gebieten und deren Ressourcen.
Ihr Territorium namens I'ixing liegt in einer Region, die von der Ausweitung der Palmölindustrie enorm betroffen ist. Wo früher Urwald, Paranuss- und Açaí-Bestände und andere traditionell von den Gemeinschaften genutzte Flächen vorherrschten, haben die sich immer weiter ausbreitenden Ölpalm-Monokulturen die Landschaften, die Wasserläufe, die Artenvielfalt und die über Generationen hinweg entwickelten Lebensweisen massiv verändert.
Die gegen Yuna Miriam Tembé von einem Gericht in Pará verhängten Vorsichtsmaßnahmen beziehen sich auf Vorfälle, an denen sie – laut öffentlichen Zeugenaussagen, in dem Bericht selbst vorgelegten Unterlagen und Aussagen von Wissenschaftlern, die die Ereignisse begleitet haben – nicht beteiligt war. Wie der Forscher Elielson Silva von der Bundesuniversität für Landwirtschaft in Amazonien (UFRA) hervorhebt, entbehren die gegen Yuna Miriam Tembé gerichteten Anschuldigungen jeder sachlichen Grundlage, da weder sie noch andere Indigene des I’ixing-Territoriums bei dem untersuchten Vorfall anwesend waren.
Rettet den Regenwald und die Menschen aus aller Welt, die dieses Schreiben unterzeichnet haben, halten es für äußerst gravierend, dass eine indigene Führerin, die für ihr Engagement zur Verteidigung der Rechte ihres Volkes allgemein anerkannt ist, mit einem Verfahren in Verbindung gebracht wurde, ohne dass öffentliche Beweise vorliegen, die ihre Beteiligung an den untersuchten Vorfällen belegen.
Das Vorgehen der Behörden ist kein isolierter Einzelfall, sondern steht in einer Reihe mit vielen Fällen im Amazonasgebiet, bei denen Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger verhaftet, bei der Ausübung ihrer traditionellen Aufgaben eingeschränkt wurden oder wiederholt versucht wurde, sie mit Vorfällen in Verbindung zu bringen, die nichts mit ihrem Engagement zu tun haben.
Für Rettet den Regenwald bedeutet der Schutz der indigenen Völker auch den Schutz des Amazonasgebietes. Deren indigene Territorien spielen eine wesentliche Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt, beim Gewässerschutz, bei der Klimaregulierung und bei der Bewahrung von überliefertem Wissen, das für die Zukunft des Planeten von grundlegender Bedeutung ist. Wenn indigene Führungspersönlichkeiten bedroht oder verfolgt werden, leidet nicht nur eine einzelne Person unter den Folgen; ein ganzes Netzwerk des ökologischen, kulturellen und menschlichen Schutzes wird bedroht.
Aus diesem Grund bekunden wir unsere Solidarität mit Yuna Miriam Tembé Nunes, mit dem Volk der Tembé Tenetehara sowie den Quilombola- und Flussufergemeinden des Acará-Tals, die angesichts zunehmenden Drucks und Konflikten weiterhin Widerstand leisten und die Natur und ihre Gebiete verteidigen.
UNSERE FORDERUNGEN
Angesichts der Schwere der Vorfälle fordern wir die brasilianischen Behörden – insbesondere die Bundesstaatsanwaltschaft, die Nationale Stiftung für indigene Völker (FUNAI), den Nationalen Rat für Menschenrechte, das Programm zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern sowie die Kontrollorgane des Justiz- und Sicherheitswesens — dazu auf, unverzüglich eine gründliche, unparteiische und transparente Untersuchung der vorgebrachten Vorwürfe durchzuführen. Es ist von grundlegender Bedeutung, die Umstände aufzuklären, die zur Einbeziehung der indigenen Führerin Miriam Tembé Nunes in die ergriffenen gerichtlichen Maßnahmen geführt haben, sowie die Vorwürfe von Drohungen, Gewalt, Landbesetzungen und möglichen Übergriffen gegen die Führerinnen und Führer indigener, Quilombola- und anderer traditioneller Gemeinschaften der Region zu untersuchen.
Wir bekräftigen zudem die Notwendigkeit, wirksame Schutzmaßnahmen für die bedrohten Führungspersönlichkeiten zu ergreifen und sicherzustellen, dass sie ihre Rolle bei der Verteidigung ihrer Völker, Natur und Territorien frei ausüben können, wie es die Bundesverfassung und die internationalen Menschenrechtsabkommen, deren Unterzeichnerstaat Brasilien ist, garantieren.
Den Wald zu verteidigen bedeutet, das Leben zu verteidigen.
Die Gebiete zu verteidigen bedeutet, die Zukunft zu verteidigen.
RETTET DEN WALD e.V., Hamburg, 1. Oktober 2026.
Video von Yuna Miriam Tembé auf Instagram, veröffentlicht am 27.9.2026: https://www.instagram.com/reel/DdtjVE2IJvr/?stkn=MTAwZXI4NjI5MW00bQ==
Rettet den Regenwald e.V. Febr. 2026. Regenwald Report 01/2026. Ein starkes Bündnis für den Regenwald: https://www.regenwald.org/regenwaldreport/2026/727/ein-starkes-buendnis-fuer-den-regenwald
Varadopuro, 18. sept. 2026. INCRIMINADOS PELA LUTA. Tornozeleiras para indígenas ameaçados em disputa territorial: a escalada do conflito do dendê no Pará: https://ovaradouro.com.br/tornozeleiras-para-indigenas-ameacados-em-disputa-territorial-a-escalada-do-conflito-do-dende-no-para/
O Varadouro, 18. sept. 2026. INCRIMINADOS PELA LUTA. Tornozeleiras para indígenas ameaçados em disputa territorial: a escalada do conflito do dendê no Pará: https://ovaradouro.com.br/tornozeleiras-para-indigenas-ameacados-em-disputa-territorial-a-escalada-do-conflito-do-dende-no-para/
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