Regenwald Report 01/2026 „Landrechte müssen endlich anerkannt werden!“
Der Journalist Felipe Duran ist seit Ende 2023 Mitarbeiter von Rettet den Regenwald in Brasilien. Seit vielen Jahren widmet er sich Umwelt- und Menschenrechtsthemen und unterstützt viele Gemeinschaften. Wir haben ihn zur schwierigen Situation der Landrechte befragt.
Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.
Warum haben so viele ländliche Gemeinden in Brasilien keine Eigentumsurkunden?
Mit der portugiesischen Invasion im Jahr 1500 wurden die Gebiete der Indigenen geplündert. Um den Raubüberfällen einen Anschein von Legalität zu verleihen, erfanden die Kolonisatoren Gesetze und Dokumente, um ihren Besitz zu „beweisen“.
Die Völker wurden nicht nur von ihrem Land vertrieben – sie hatten auch gar keine Möglichkeit, auf Gesetze und Dokumente zuzugreifen, um es zurückzugewinnen. Denn dafür braucht man Geld und spezifisches Wissen, über das die meisten von ihnen bis heute nicht verfügen. Weil ihnen ihre Lebensgrundlagen genommen wurden, leben sie in Armut und ihre Grundrechte wie Gesundheitsversorgung und Bildung werden nicht gewährleistet.
Diese Struktur besteht bis heute fort mit der Komplizenschaft von Notaren, die falsche Eigentumsregister führen, von Richtern, die Entscheidungen gegen die traditionellen Völker fällen, und von Politikern, die neue Gesetze schaffen, um den Völkern den Zugang zu Land unmöglich zu machen.
Wie schaffen es Großgrundbesitzer und Unternehmen, sich illegal Land anzueignen?
Durch Gewalt, wie im Jahr 1500. Sie beauftragen private Milizen, um das Land der traditionellen Völker zu besetzen, die Menschen zu vertreiben, das Land einzuzäunen und die Wälder abzuholzen. Die Justiz handelt langsam, damit die Völker schließlich aufgeben. Das Justizsystem wurde von den Kolonisatoren und ihren Nachkommen geschaffen, um den Besitz des seit Generationen gestohlenen Landes zu sichern.
Was muss getan werden, damit die traditionellen Völker und Gemeinschaften ihre Landrechte anerkannt bekommen?
Der Staat muss die Verfassung respektieren. Die Bundesverfassung von 1988 garantiert allen traditionellen Völkern und Gemeinschaften das Recht auf Land. Es obliegt dem Staat, die Abgrenzung oder Übertragung des Landeigentums vorzunehmen.
Damit die traditionellen Gemeinschaften in ihren Gebieten bleiben oder dorthin zurückkehren können, muss die Zivilgesellschaft diese unterstützen. Außerdem muss die Gewalt, die vom Staat und den von ihm begünstigten Unternehmen ausgeübt wird, national und international öffentlich gemacht werden.
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