Regenwald Report 01/2026 Es ist die Stunde der Völker
Im November 2025 richtete sich der Blick der Welt auf Belém, mitten im brasilianischen Amazonasgebiet, dem Austragungsort der UN-Klimakonferenz COP30. Umwelt- und Menschenrechtsgruppen setzten dem Treffen der Regierenden einen Gipfel der Völker entgegen.
Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.
Während Regierungen verhandelten und Türen für Öl-, Bergbau -und andere Großinteressen öffneten, schufen die Zivilgesellschaften vieler Länder ihre eigenen politischen Räume. Mit Nachdruck forderten sie einen gerechten Wandel, der den Energie- und Rohstoffverbrauch senkt und den Bedürfnissen der Menschen – nicht der Märkte – dient.
Gemeinsam mit ihren Kollegen Klaus Schenck und Felipe Duran hat Guadalupe Rodríguez an der Planung einiger der zahlreichen Veranstaltungen mitgewirkt – insgesamt nahmen mehr als 70.000 Menschen aus aller Welt am Gipfel der Völker teil.
„Wir haben unsere Kräfte gebündelt, um die Globale Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass der Amazonasregenwald weit mehr ist als nur eine Kulisse: Er spielt eine politische Schlüsselrolle für Klima, Wälder und Leben.“ (Guadalupe Rodríguez, Lateinamerika-Expertin von Rettet den Regenwald)
COP30: Großes Klimageschäft oder Umweltgerechtigkeit?
„Die COP30 hätte mit den Blockaden früherer Gipfel brechen und auf Klima-, Sozial- und Umweltgerechtigkeit setzen können. Stattdessen haben sie das Drehbuch der letzten vier Konferenzen wiederholt, wo Großkonzerne weiterhin Vorteile erhielten. Vorherrschend waren auch dieses Mal Scheinlösungen des Marktes, neue Finanzmechanismen und Kohlenstoffkompensationen, die Wälder und Territorien monetarisieren, ohne Menschenrechte zu garantieren oder Natur und Wälder tatsächlich zu schützen“, urteilt Guadalupe Rodríguez. In Belém öffnete der Gipfel der Völker Podien für soziale Bewegungen, indigene Völker, traditionelle Gemeinschaften und unterstützende Organisationen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltungen standen Themen wie das Recht der Gemeinschaften auf Wohlergehen, ihr Recht auf unversehrte Wälder, auf reines Wasser und saubere Luft.
Gerade in Zeiten der zunehmenden Kriminalisierung von Protesten und der Gewalt gegen die Menschen, die ihre Territorien schützen. Es wurde auch über die historische, ökologische und klimatische Schuld gegenüber denjenigen gesprochen, die Kolonialismus und Ausbeutung ertragen mussten und müssen und heute von der Klimakrise ganz besonders betroffen sind.
„Es ging um nichts weniger als ein Modell, das die planetarischen Grenzen respektiert und das gute Leben von Mensch und Natur unter gerechten Bedingungen fördert“, sagt Guadalupe Rodríguez.
Am Ende des Gipfels wurde eine kraftvolle Deklaration an den Präsidenten der Weltklimakonferenz André Corrêa do Lago übergeben. Sie enthält einen Aufruf an die Weltgemeinschaft, für das Leben, internationale Solidarität und Klimagerechtigkeit zu sorgen.
Mit Netzwerken wie Yes to Life– No to Mining und dem Thematischen Sozialforum über Bergbau entwickeln wir Strategien, um dem Wettlauf um Rohstoffe für die Energiewende zu begegnen und für einen gerechten, von den Gemeinschaften bestimmten Wandel einzutreten (Guadalupe Rodríguez, auf dem Podium 2. v. l. ).
Als Zeichen der Solidarität überreicht Larissa Santos (links) von Justiça nos Trilhos (Gereichtigkeit auf den Schienen) an First Lady Rosângela ‚Janja‘ Lula da Silva, Soziologin und Partnerin des brasilianischen Präsidenten, ein T-Shirt. Es steht für die internationale Kampagne zum Schutz des Regenwaldgebietes Tauá-Mirim, die auch Rettet den Regenwald mit einer Petition unterstützt. Das Gebiet ist durch den Schienen- und Hafenausbau in Maranhão gefährdet.
Carimbó-Musik, Flussfisch und Açaí erinnern daran, dass Klimaschutz auch Kultur, Lebensfreude und Nahrungsmittel der Völker Amazoniens bewahrt. Kanzler Merz war in Brasilien – und statt all dies zu genießen, erklärte er öffentlich am Ende seiner Kurzreise, Deutschland sei das beste Land der Welt.
Unter der Sonne Amazoniens, zunehmend gezeichnet vom Klimawandel, vereinten sich indigene Völker, soziale Bewegungen, Bürgerinnen und Bürger auf den Straßen von Belém zum Globalen Klimamarsch – auch um Würde und Vielfalt der Lebensweisen zu betonen.
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