Regenwald Report 02/2026 Erfolgsrezepte aus Afrika
Einer Perlenkette gleich reihen sich die Länder entlang des Äquators auf, in denen Rettet den Regenwald e.V. in Afrika aktiv ist. Zwischen Guinea-Bissau und Tansania erleben wir massive Zerstörung und treffen zugleich beeindruckende Menschen, die zeigen: Für viele Probleme gibt es Lösungen! Von unserem Afrika-Experten Mathias Rittgerott
Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.
Afrika hat ein Imageproblem. Katastrophenmeldungen, Berichte über Bürgerkriege, Vertreibungen und Armut überlagern oft die vielen Erfolgsgeschichten. Denn es gibt sie: Sie handeln vom Mut und den Ideen der Menschen, die die Natur entschlossen verteidigen. Wir nehmen Sie daher auf eine Reise durch Afrika mit und zeigen Ihnen, wie wir den Kontinent erleben.
Starten wir ganz im Westen in Guinea-Bissau. Im Dorf Simborée pumpen Frauen am Brunnen von Hand Wasser, Strom gibt es lediglich, wenn während eines Festes ein Generator läuft. Im Alltag der Menschen spielen Rituale eine große Rolle. So hat der Umweltschützer Lamin Seidi Cani der Organisation Our Resources die Tradition des Kankoran Fambondi zu neuem Leben erweckt. Seit der Waldgeist patrouilliert, lassen sich Holzfäller, die früher Palisander geschlagen haben, nicht mehr blicken. Spiritualität zum Waldschutz – ein Erfolgsrezept aus Guinea-Bissau.
Weiter geht es nach Liberia, Heimat großer Teile des oberguineischen Regenwaldes und bedrohter Schimpansen. Unser Partner Wild Chimpanzee Foundation (WCF) schickt Eco- Guards aus den Dörfern in die Nationalparks Sapo und Grebo- Krahn auf Patrouille. Sie schrecken Wilderer ab und machen Fallen unschädlich. Auch dank der Forschung der Primatologen wurden neue Schutzgebiete geschaffen. Liberia - ein Leuchtturm im Schimpansenschutz!
Unsere Reise führt uns ins bevölkerungsreichste Land Afrikas, Nigeria. Wir erreichen den Bundesstaat Cross River – unterwegs blockieren immer wieder bewaffnete Männer die Straßen. Doch unser Begleiter Martins Egot der Organisation PADIC Africa bleibt cool und führt uns in den üppigen Gemeindewald der indigenen Ekuri. Seit vielen Jahren bewahren die Einheimischen ein großes Waldgebiet, indem sie es weise nutzen. Einen geplanten Superhighway haben sie verhindert, Holzfäller wehren sie ab. Auch Odigha Odigha, Leiter der Organisation NGOCE, unterstreicht, dass Waldschutz dann funktioniert, wenn die Bevölkerung dahintersteht. Nigeria beweist: Community Forests schützen.
Wir kommen in die Demokratische Republik Kongo (DRK). Kein anderes Land leidet wohl mehr unter dem Image als ein Ort der Finsternis. Dabei ist dieses Land – trotz aller dunklen Flecken – grün: Im Kongobecken gedeiht der zweitgrößte Regenwald der Erde – ein unverzichtbarer Schutzschild gegen Klima- und Artenkrise. Deshalb sind auch wir hier. Noch nicht intensiv genug, doch wir vertiefen unser Netzwerk.
Anfang 2025 verschärfte sich die Lage durch die Rebellenmiliz M23 in den Provinzen Nord- und Südkivu massiv. Betroffen sind auch die Nationalparks Virunga und Kahuzi-Biega, Rückzugsorte bedrohter Gorillas. 2021 konnten wir unsere Verwandten im Tierreich noch besuchen – kaum etwas ist beeindruckender, als eine Gorilla-Familie zu beobachten. Wie Jungtiere herumtollen, ein Baby von Schoß zu Schoß gereicht wird und sich Erwachsene zärtlich das Fell lausen. Doch am Horizont zeichnete sich bereits das Erstarken der M23 ab. Unsere dortigen Partner CAMV und Réseau CREF sind Wirren gewohnt, arrangieren sich und arbeiten so gut es geht weiter. Einige „überwintern“ an sicheren Orten, wie sie sich ausdrücken. Einer ist abgetaucht und macht im Untergrund weiter. Der Mut dieser Männer und Frauen ist überwältigend.
Sie vertrauen darauf, dass ihre Arbeit dauerhaft wirkt: Mit Réseau CREF sind wir in die Kleinstadt Kanya Bayonga gefahren. François Biloko erläutert Vertretern von Bauern, Fischern, Jugendgruppen und örtlichen Umweltschützern die Gefahren, die von der drohenden Ausbeutung von Erdöl am Albertsee ausgeht. Diese Botschaft vermittelt den Dorfbewohnern ein Theaterstück unter freiem Himmel (siehe Foto). Die bekannten Musiker Mulyaboss und DJ Shukra haben extra ein Lied komponiert und singen: „Wie sollen wir unseren Kindern die Größe eines Nilpferds erklären, wenn es keine Nilpferde mehr geben wird?“ Kunst und Kultur motivieren Menschen für den Naturschutz.
In Uganda, am östlichen Ufer des Albertsees, bohrt der chinesische Konzern CNOOC nach Öl. Der französische Riese TotalEnergies ist treibende Kraft hinter der Ostafrikanischen Erdölpipeline EACOP. Unser Partner Maxwell Atuhura von Tasha verfolgt eine zweigleisige Strategie des Widerstands: Er hört den Sorgen der Einheimischen zu, die unter dem Öl-Geschäft leiden, und trägt die Berichte in ein internationales Bündnis. Dieses hat bereits erreicht, dass zahlreiche Banken der Pipeline die Finanzierung verweigern. Uganda zeigt, wie stark lokaler und globaler Protest gemeinsam sein können.
Letzte Station ist Tansania. Das Land ist ein Traum für Naturliebhaber: Die Elefanten, Zebras, Löwen locken Millionen Touristen an. Die Serengeti und der Ngorongoro-Krater stehen daher unter Schutz – und hier beginnt das Leid der indigenen Massai. Im Namen des „Festungsnaturschutzes“, der weitgehend menschenleere Gebiete vorsieht, sollen Zigtausende von ihrem Land vertrieben werden. Yannick Ndoinyo von der Organisation TEST betont, dass Umweltschutz nur gelingt, wenn er Menschenrechte respektiert. Indigene zu stärken ist ein Schlüssel für die Bewahrung der Natur.
Das gilt für Afrika – und weltweit.
Stoppt den Import von Tropenholz!
– das war unsere erste große Kampagne in Afrika. Deutsche und europäische Holzfirmen plünderten die Naturressourcen der Erde– oft mithilfe von korrupten Beamten, Politikern und Regierungen. Unsere Ausdauer hatte Erfolg: Menschen erkennen die Probleme, die mit Tropenholz verbunden sind, und boykottieren es; auch Städte und Gemeinden verzichten darauf. Doch Siegel wie FSC für angeblich nachhaltig produziertes Holz höhlen den Tropenholzverzicht aus.
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