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Kongo-Fluss
Im Kongo-Becken wächst der zweitgrößte zusammenhängende Regenwald der Erde (© Harmattan15/Shutterstock.com)
Protestierende in Virunga
Schutz für Virunga (© XR-université_de_goma)
Gorilla im Baum
Im Virunga Nationalpark leben gut 600 Berggorillas. 2026 gab es sogar zweimal Nachwuchs (© Istockphoto/Gunter Nuyts)
4 Personen im Workshop
Zu den Gefahren der Erdölförderung veranstalten François Biloko (l.) und sein Team einen Workshop (© Mathias Rittgerott)
Frauen und Männer am Flussufer
Die Bevölkerung von Vitshumbi am südlichen Ufer des Eduardsees lebt fast ausschließlich vom Fischfang (© Mathias Rittgerott)
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Regenwald Report 03/2026 · Demokratische Republik Kongo Aufgeben? Niemals! Die Wächter der wertvollen Wälder

Die Natur des Kongo-Beckens rückt immer stärker ins internationale Bewusstsein. Gut so! Dort muss ein Schwerpunkt für die Bewahrung der Artenvielfalt und den Schutz des Klimas liegen. Wie das geht, zeigen unsere Partner des Réseau CREF. Dass ihr Alltag voller Schwierigkeiten und Gefahren ist, hält sie nicht auf.

Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.

Goma ist gefährlich. Nicht erst, seit Rebellen der M23 die Millionenstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) eingenommen haben. Doch seither ist es schlimmer geworden. „Und ihr beantragt Solarlampen? Ernsthaft?“ Das war unsere spontane Reaktion, als wir mit François Biloko von der Organisation Réseau CREF diskutiert haben, wie wir für mehr Sicherheit sorgen können. Dabei ist die Sache einfach zu verstehen: Wenn in Goma der Strom ausfällt, was häufig passiert, ist es für Diebe und Gegner der Umweltschützer nachts ein Leichtes, das Büro zu plündern. Ein Bewegungsmelder, ein heller Strahler – das schreckt Übelgesinnte ab. 

Wenn nur alle Probleme so leicht zu lösen wären. Réseau CREF hat neben der verheerenden Sicherheitslage auch mit Politikern und Firmen zu kämpfen, die in der Natur eine Geldquelle sehen, aus der sie so viel Profit wie möglich schöpfen wollen. Seit 2018 ist Réseau CREF einer unserer wichtigsten Partner im Kongo-Becken. Das Netzwerk vereint von Umweltschützern bis Fischern 30 Organisationen in der Provinz Nord-Kivu und hat Verbündete über die DRK hinaus. 2021 haben wir die Umweltschützer besucht und sind zusammen in die Stadt Kanya Bayonga gefahren. Dort hatten François Biloko und seine Kollegin Clarice Butsapu einen Workshop organisiert. Rund 30 Leute diskutierten dabei die Gefahren, die das Erdölbusiness mit sich bringt. Theaterschauspieler und Musiker, die für Réseau CREF auftreten, erreichen noch mehr Dorfbewohner; Männer, Frauen und Kinder gleichermaßen.

4 Personen im Workshop
Zu den Gefahren der Erdölförderung veranstalten François Biloko (l.) und sein Team einen Workshop (© Mathias Rittgerott)

Die Warnungen werden so zu Allgemeinwissen. Der Widerstand gegen Erdölprojekte gehört zur DNA von Réseau CREF. Vor etwas mehr als zehn Jahren waren sie daran beteiligt, die britische Firma Soco zu vertreiben. Als die Regierung 2022 im ganzen Land 30 Konzessionen für die Suche nach Öl und Gas vergeben wollte, ging nicht nur das Réseau CREF auf die Barrikaden. 

Gorilla im Baum
Im Virunga Nationalpark leben gut 600 Berggorillas. 2026 gab es sogar zweimal Nachwuchs (© Istockphoto/Gunter Nuyts)

Denn der Virunga Nationalpark mit seinen weltberühmten Gorillas, wenige Kilometer von Goma entfernt, war davon bedroht. Wir schlossen uns der Protestbewegung an, starteten eine Petition. Die Regierung verwarf die Pläne schließlich – und gab postwendend bekannt, erneut Öl- und Gasfelder zur Ausbeutung freizugeben. 55 an der Zahl!

Und wieder mobilisiert Réseau CREF die Bevölkerung.

Die Natur gegen Ausbeutung zu verteidigen, ist ein Teil der Mission der Organisation. Zu bewahren, was ist, ein anderer. Réseau CREF teilt mit vielen die Erfahrung, dass sich Einheimische besonders dann für die Natur einsetzen, wenn ihnen die Regierung dafür die Verantwortung überträgt und Vertrauen schenkt. Etwa, indem Dorfgemeinschaften das Recht bekommen, die Wälder nach ihren Vorstellungen zu nutzen. Das mündet meist darin, dass die Menschen die Natur um sich herum als ihre Lebensgrundlage bewahren. Das Konzept, die örtliche Bevölkerung zu stärken, funktioniert selbst im Einflussgebiet der M23-Rebellen erstaunlich gut.

Es ist traurige Realität, dass sich fast alle Regenwaldschützer weltweit gegen Abholzungen stemmen müssen. Réseau CREF geht es nicht anders. Zwar bremst seit fast 25 Jahren ein Moratorium die Holzindustrie, doch Politiker in der Hauptstadt Kinshasa scheinen daran zu sägen. Als im Juli 2026 eine Aufhebung des Verbots im Raum stand, gehörten Réseau CREF und Rettet den Regenwald zu den 70 Organisationen, die diese Pläne scharf kritisierten.

Umweltministerin Marie Nyange hat zwar öffentlich betont, niemand habe vor, Holzfirmen neue Genehmigungen zu erteilen. Doch Umweltschützer bleiben skeptisch – und wachsam.

Bereits mehrfach haben wir Réseau CREF aus unserem „Notfalltopf“ unterstützt: Als im Jahr 2021 der Vulkan Nyiragongo ausbrach und Lava bis nach Goma floss, halfen wir bei der Wasserversorgung der Bevölkerung. Das war Hilfe angesichts einer Naturkatastrophe. Als Anfang 2025 die M23-Rebellen Goma einnahmen, haben wir unseren Teil beigetragen, damit Réseau CREF weiterarbeiten konnte. An einem anderen Ort, weniger in der Öffentlichkeit und abwartend, wie sich die Lage entwickelt. „Überwintern“ nannte das François Biloko. Und das in einem Land, in dem die Natur keinen Winter kennt. Zuletzt kam nach einem brutalen Überfall der Hilferuf indigener Batwa. Sie brauchten Lebensmittel, Kochgeschirr, Matratzen. Katastrophenhilfe ist zwar nicht das Metier von Rettet den Regenwald, aber wir schauen nicht weg, wenn Not herrscht. Im Sommer dieses Jahres wollten wir unsere Partner im Kongo besuchen. Der Ebola-Ausbruch im Osten der DRK lässt eine Reise dorthin allerdings unklug erscheinen. Während wir einfach das Ende der Epidemie abwarten können, bleibt unseren Partnern des Réseau CREF nichts anderes, als auch diese Krise zu meistern.

Frauen und Männer am Flussufer
Die Bevölkerung von Vitshumbi am südlichen Ufer des Eduardsees lebt fast ausschließlich vom Fischfang (© Mathias Rittgerott)

Ein Netzwerk und neue Wege

Wir wollen möglichst viel und effektiv zum Schutz der Natur im Kongo-Becken beitragen. Deshalb arbeiten wir neben dem Réseau CREF mit weiteren herausragenden Organisationen wie den Primatologen von Bonobo Alive und Menschenrechtlern von RIAO-RDC zusammen. Seit einigen Monaten sind wir Teil der Koalition Notre terre sans pétrole („Unser Land ohne Erdöl“). Im Zentrum derzeit:

Der Konzern Perenco, der rund um den Ort Muanda Öl fördert und Schäden an der Natur anrichtet, sowie die drohende Verknüpfung kongolesischer Ölfelder mit der Rohölpipeline EACOP, die in Uganda bereits gebaut wird.

Für uns neue Wege gehen wir mit den jungen Aktivisten und Aktivistinnen von Extinction Rebellion (XR). Der Name ist auch in Europa geläufig, es handelt sich dabei allerdings um keine Organisation im eigentlichen Sinne, sondern um eine Bewegung. In mehreren Städten der DRK – darunter Goma – haben sich bereits Freiwillige zusammengetan, die friedlich, aber laut, gegen Erdöl-Projekte demonstrieren. Wir unterstützen es, dass sich in weiteren Städten XR-Gruppen etablieren.

Der Schutz der Natur lebt von der Vielfalt.

Protestierende in Virunga
Schutz für Virunga (© XR-université_de_goma)

 

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